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Stefan Pahlke – unser Betreuer und Zeitzeuge seit 2004 reflektiert: Finnen in Berlin

Seit dem Jahr 2004 kommen Schüler des Lärkan- Gymnasiums in Helsinki nach Berlin, um sich mit den dunkleren und dunkelsten Themen der deutschen Geschichte des 20.Jahrhunderts intensiver zu beschäftigen.

Die Beweggründe dafür rühren von einer progressiven und weiten Auffassung von (Allgemein)Bildung, die über das bloße Erlernen – in diesem Fall – der deutschen Sprache hinausgehen.

In Finnland in der Vorbereitung als auch intensiv dann vor Ort in Berlin und Umgebung wird den in der Regel polyglotten und gut gebildeten Schülern der komplizierte und hürdenreiche Weg Deutschlands vor allem durch das 20. Jahrhundert nahegebracht.

Bisher jede Gruppe aus Helsinki von dieser Schule begegnete dem Neuen offen und interessiert und setzte sich mit dem Wissenszuwachs auseinander.

Es werden Kontinuitäten, Unterschiede und Entwicklungsprozesse beobachtet, die sich in Deutschland ergaben bzw. zutrugen. Alles, jeder Gedenkstättenbesuch, jeder Museumsbesuch, jeder Stadt- oder Ortsrundgang wird deutschsprachig betreut. Diesen komplexen Themen, auch für viele Deutsche oft nur schwer versteh- und erklärbar(behaupten sie zumindest) nehmen die finnischen Gymnasiasten in der Sprache des Landes auf, das sie gerade besuchen.

Davor habe ich große Hochachtung und freue mich auch gleichzeitig, dass ich so einen kleinen Teil zu ihrer Weiterbildung und Ausbildung beitragen kann.

Die Schüler und Lehrer wie auch ich arbeiten oftmals mit Zeitzeugen zusammen. Diese Leute erzählen aus erster Hand, aus eigenem Erleben, wie das Leben vor allem im gespaltenen Nachkriegsdeutschland war. Es sind Leute, die in der Regel kritisch den verbesserungswürdigen Verhältnissen gegenüberstanden oder die schlichtweg ganz einfach Wert legten auf eine autonom gestaltete, nicht fremdbestimmte Biografie.

Die Schüler berührt das, sie verarbeiten es intellektuell erstaunlich gut und schnell, was sich dann in den Nachfragen zeigt, die sie stellen. An manchen Stellen gibt es dann auch ab und an, aber nur selten, schwedische Zusammenfassungen von Frau Cati Jipp, die dieses Projekt seit Jahren betreut – das ist an dieser Stelle legitim und richtig, handelt es sich doch um ein meist emotionales, differenziertes Weltbild auf Deutsch vorgetragen…

Die Fragen, die die Schüler mir am Ende der Themenreise stellen, bringen mich selbst immer wieder zum Nachdenken, lassen mich meinen eigenen Werdegang reflektieren, und sie zeigen mir, dass begriffen wurde, worum es geht…

Sie zeigen Respekt vor den Orten und den Personen, denen sie begegnen. All das nehmen die finnischen Schüler auch mit, wenn sie durch das vielschichtige Stadtbild vor allem von Berlin wandern, nicht immer nur auf den Spuren der Vergangenheit. Berlin ist eine Metropole, eine Stadt, in der die Leute oftmals reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, eine Stadt im ständigen Umbruch – mit allen Vor- und Nachteilen…

Die Lärkan-Gymnasiasten spüren das, intuitiv. Also liebe Nachfolge-Generationen: Folgt nach,  kommt her, tragt dazu bei, dass Berlin international bleibt.

Stefan Pahlke – Betreuer der Gruppen seit 2004

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